Manfred Grund - Das Interview - 2/2

"Ich hatte Lust mit meinem Sohn zusammenzuarbeiten und ihn als Spieler mehr zu erleben..."

...Fortsetzung des bereits am Freitag veröffentlichten Teil 1...

 

Wenn Du auf die letzten eineinhalb Jahre als Trainer des FCE zurückblickst: Was ist die größte Veränderung und in welchen Bereichen hattest Du dir eine größere Entwicklung gewünscht/erhofft?

 

MG: „Die größte Veränderung, mit der ich wirklich sehr zufrieden bin, ist das Abwehrverhalten. In dem einen Jahr ist das besser gelungen, als ich es mir vorher vorgestellt hatte. Die Mannschaft hatte einen richtig guten Willen zu Beginn der Saison, das neue Spielsystem anzunehmen und auch umzusetzen. Im konditionellen Bereich wurde auch zugelegt, allerdings ist da noch Luft nach oben, was aber damit zusammenhängt, dass manche Spieler einfach nur einmal die Woche trainieren können. Es ist schwierig, das Niveau zu verbessern, wenn die Leute nicht selber etwas für sich machen. Im Grunde bin ich aber auch mit der konditionellen Entwicklung zufrieden, aufgrund der gegebenen Rahmenbedingungen.“

 

Was hat dich als unser Trainer am meisten überrascht?

 

MG: „Überrascht war ich, dass in der Vorbereitung nach dem Aufstieg so wenige Leute da waren. Mehr Geschlossenheit und Euphorie hatte ich da erwartet.“

 

Wenn Du die Zeit zurück drehen könntest, was würdest Du heute anders machen als die letzten eineinhalb Jahre?

 

MG (ohne zu überlegen): „Ich würde im Entscheidungsspiel gegen Colmberg defensiver spielen und die Mannschaft im gewohnten 5-4-1 auflaufen lassen. Im Entscheidungsspiel haben wir uns schlechter verkauft, als wir sind und als wir Fußball spielen können. Das finde ich sehr schade. Ansonsten würde ich nicht viel was anders machen, wobei das vermutlich auch reichen würde (lacht).“

 

Woran musst Du zuerst denken, wenn Du an den FCE denkst und was zeichnet deiner Meinung nach den FCE und die Mannschaft besonders aus?

 

MG: „Mich hat beeindruckt, wie die Migranten (seit Saisonbeginn trainieren und spielen unsere Freunde aus Syrien und Irak beim FCE) aufgenommen worden sind, in der Mannschaft als auch im Umfeld. Dass es eine Offenheit gegenüber Leuten gibt, die dazu stoßen und ein positives, produktives Zusammengehörigkeitsgefühl vorhanden ist, zeichnet meiner Meinung nach den FCE und die Mannschaft besonders aus.“

 

Warum sollte man Trainer, Spieler oder Fan vom FCE sein?

 

MG: „Trainer sollte man in der jetzigen Situation sein, weil eine Perspektive da ist. Mit Marc Suttor (kommt vom Bayernliga-Aufsteiger SpVgg Ansbach 09), guten nachkommenden Jugendspielern und der Grundlage des ballorientierten Verteidigens  kann sich da gut etwas entwickeln. Das ist für einen Trainer reizvoll. Spieler sollte man wegen des bereits erwähnten Zusammengehörigkeitsgefühls sein, aus diesem Grund sollte man auch Fan sein.

 

Du warst in verschiedenen höherklassigen Vereinen tätig. Welches Entwicklungspotential steckt im Verein und welche Baustellen sollten zuerst angefangen werden?

 

MG: „Die größte Baustelle ist aus meiner Sicht der obere Platz. Das liegt nicht an der Pflege, die von Robert und Ewald wirklich super gemacht wird (großes Lob hierfür), sondern an der Lage, an der Form und am Boden. Aus dem Platz wird vermutlich nie ein richtiger Sportplatz. Und zweitens braucht man einen Raum, in der man eine ordentliche Spielersitzung abhalten kann. Im gleichen Raum, in dem der Dampf vom Duschen noch drin hängt, eine Spielersitzung zu halten, ist schon eine kleine Zumutung. Das sind die beide größten Baustellen.“

 

Was war anstrengender, das spannende Rennen um die Meisterschaft in der A-Klasse oder der diesjährige nervenzehrende Abstiegskampf? Welche positiven Aspekte kannst Du aus dem Abstiegskampf ziehen?

 

MG: „Weit spannender der diesjährige Abstiegskampf! Der komplette Verlauf der Saison ist total positiv, außer dass man den Klassenerhalt nicht geschafft hat, womit aber vor der Saison die wenigsten gerechnet hätten. Und mit drei vergebenen Matchbällen ist sie mehr als unglücklich geendet.“

 

Du hast der Mannschaft ein neues Spielsystem verpasst (offensiv Dreierkette, defensiv Fünferkette). Bist Du mit der Entwicklung und der Umsetzung zufrieden oder wäre da noch mehr gegangen?

 

MG: „Mit der Entwicklung im offensiven Bereich sind wir durch das Fehlen vom Benni Roll etwas gehandicapt gewesen. In der Hinrunde war er lange verletzt und in der Rückrunde ging er seinem Studium auf Bali nach. In diesem Bereich liegt noch viel Entwicklungspotential, wenngleich die Spieler, die auf dieser Position ausgeholfen haben ihre Sache recht ordentlich gemacht haben. Im Passspiel kann die Mannschaft auch noch weiter zulegen. Im Training sollen sie immer wieder selbst auf eine saubere Ausführung des Passes, sowie der Ballannahme und Ballmitnahme achten.“

 

Welchen Tipp würdest Du dem neuen Trainer mit auf den Weg geben?

 

MG: „Dass er das machen soll, was er selber für richtig hält und sich dabei von nichts und niemanden reinreden lässt.“

 

Zu Beginn wurde der Erfolgstorhüter und Aufstiegsgarant Thomas ‚Fred‘ Hofmann durch den Neuzugang Andreas Payer ersetzt. Ist es rückblickend vielleicht ein Fehler auf so viel Erfahrung verzichtet zu haben?

 

MG (lacht laut): „Ja, Erfahrung sehe ich immer als positiv. Der Fred hat uns super geholfen im Aufstiegsjahr, aber in diesem Fall ist ein gelernter Torwart gekommen, der auch über Erfahrung verfügt und uns besonders in der Rückrunde oft im Spiel gehalten hat.“

 

Was war damals ausschlaggebend dafür, dass du gesagt hast, „ja ich habe Bock den FCE zu trainieren?“

 

MG: „Ich bin dem Ewald (Präsident FCE) begegnet und hab ihm gesagt, dass ich den Verein ein bisschen unterstützen könnte, aber nur wenn der Roland einverstanden ist. Es gab drei Gründe: Erstens hatte ich wieder Lust auf dem Platz zu stehen, aber keine drei Mal in der Woche (Roland leitete das Training dienstags), zweitens spielte die Mannschaft noch mit Libero, was einfach veraltet ist und drittens hatte ich Lust mit dem Lorenz zusammenzuarbeiten und ihn als Spieler mehr zu erleben.“

 

Hast du dich schon immer für Fußball interessiert oder woher kommt dieses rege Interesse an dieser Sportart?

 

MG: „Woher das Interesse kommt, kann ich euch genau sagen! Weil wir in Walkersdorf eine Gruppe von Buben gleichen Alters waren, die in jeder freien Minute gekickt hat und samstags waren wir zusammen vor dem Radio gesessen, um Bundesliga zu hören und unser Lieblingsverein war 1860 München (Meister 1966). Außerdem war 1966 die erste Weltmeisterschaft, die ich bewusst mitgenommen habe. Diese Vizeweltmeisterschaft hat in mir eine noch größere Begeisterung für den Fußball ausgelöst. Und noch heute ist es so, dass die halbe Mannschaft aus Walkersdorf kommt, weil jetzt die Söhne von denen damals in der Ersten spielen.

 

Wenn du dir eine Mannschaft, bzw. einen Spieler aussuchen dürftest, welche Mannschaft, bzw. mit welchem Spieler würdest du gerne trainieren, wenn auch nur für ein Training.

 

MG (lacht laut und überlegt lange): „Nein, da gibt es keine Mannschaft oder keinen Spieler. Der Profifußball hat meiner Meinung nach oft nicht mehr viel gemeinsam mit dem „normalen“ Fußball. Da geht es um so viele andere Sachen, auf die ich keine Lust habe.“

 

Wenn du deine gesamte Fußballkarriere als Trainer und Spieler mit zwei bedeutenden Ereignissen schildern müsstest, ein positives und ein negatives, welche wären das?

 

MG: „Das fällt mir ganz schwer zu beantworten. Es gibt viele positive und negative Erinnerungen. Verlorene Entscheidungsspiele waren immer negativ, gewonnene immer positiv. Die Positiven überwiegen aber definitiv, sonst hätte ich es auch nicht so lange gemacht. Das Positivste war immer, wenn man Wertschätzung erfahren hat und es ein Gefühl von Zugehörigkeit gab.

Das Negativste gibt es nicht.“

 

Du kennst sicher auch einige goldene Regeln im Fußball, wie z.B. „immer zwischen Tor und Gegner zu stehen“... – wenn du nachdenkst, welche goldene Regel wäre deiner Meinung nach, die mit der höchsten Priorität?

 

MG: „Spiele werden hinten entschieden!“

 

Nach deiner Trainerstation beim FCE hofft man, dich weiterhin auf dem Sportplatz zu sehen. Wirst du dich auch in Zukunft für den Verein interessieren oder ihm den Rücken zuwenden?

 

MG: „Ich werde das mit Interesse verfolgen und sehr gerne beobachten, wie sich die Mannschaft weiter entwickelt.“

 

War es dir als Fußballfanatiker wichtig, dass deine Söhne bzw. dein Sohn ebenfalls diese Sportart betreiben?

 

MG: „Ja, aber ich hätte es auch akzeptiert, wenn sie nicht gespielt hätten. Besonders die Erinnerungen an früher, wie sie als Kinder zusammen spielen, sind die schönsten. Ich hätte sie niemals auf einen Sportplatz gezerrt, weil meine Grundüberzeugung ist, dass jeder sein eigenes Potential entwickeln muss. Ob das Fußball oder Singen ist, ist mir wurscht.“

 

Abschließend noch ein kleiner Tipp zu Viertelfinale Deutschland gegen Italien?

 

MG: „Das wird ein ganz enges Spiel mit Verlängerung. Deutschland macht es dann aber in der Verlängerung, weil sie im Offensivspiel doch schon stärker sind.

Interessant wird es zu beobachten sein, wie zwei verschiedene Spielsysteme aufeinander treffen. Dreierkette gegen Viererkette.

Ich hoffe, dass Deutschland gewinnt aber es wird eng!“

 

Recht hatte der gute Mann! Fußballsachverstand durch und durch!

 

Interview: Magnus März und Marius Ganske

Bildmaterial ©Jörg Halfar

Qualitätsprüfung : Patrick Reichardt

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